Gewaltopfer – sie erkennen und behandeln

Menschengemachte Gewalt ist häufig

Gewalt durch Menschen hat bei weitem schwerere Folgen als Unfälle oder Naturkatastrophen.

90 Prozent der infolge von Gewalt durch Menschen traumatisierten Gewaltopfer in Deutschland sind Frauen und Kinder. Männer werden seltener Opfer, doch sind bei ihnen die Folgen manchmal sogar noch schlimmer.

Daher wird mit Recht formuliert:


Es ist nicht die Frage,
ob Professionelle im Gesundheitswesen Kontakt zu gewaltbetroffenen Frauen in ihrem Berufsalltag haben, sondern lediglich,
wie sie diesen Kontakt gestalten.

Quelle: www.gesine-intervention.de

Vom professionellen Umgang mit Gewaltopfern:

Grundregeln:

Ernst nehmen. Gewaltopfer müssen ernst genommen werden, selbst wenn sie zunächst nur vorsichtige Andeutungen über ihre Traumatisierung wagen. Abwehrende Bemerkungen seitens ihrer Ärztinnen/ Ärzte werden von Betroffenen häufig zitiert. Sie zeigen jedoch, dass manche Mediziner in dieser weit verbreiteten Thematik unprofessionell vorgehen und überfordert sind.

Simulanten unter Gewaltopfern sind extrem seltene Ausnahmen! Im Gegenteil: Betroffene schämen sich – obwohl Opfer – häufig der von ihnen durchlittenen Verletzungen und schweigen in sprachloser Einsamkeit über Jahre, ja Jahrzehnte. Durch abweisende Bemerkungen werden sie wieder in diesen Zustand zurückgestoßen. Das sollte als unärztliches Verhalten eingeordnet

Mut. Jeder Arzt kann z.B. in Fortbildungen lernen, wie er den notwendigen Mut aufbringt, den belastenden Vorgeschichten von Gewaltopfern zuzuhören.

Wärme. Gewaltopfer waren menschlicher „Kälte“ ausgesetzt. Sie brauchen viel menschliche „Wärme“ in Form von Zuwendung, speziell seitens der professionell im Gesundheitsbereich Tätigen. Allein die heute allgemein in der ärztlichen Betreuung fehlende Zeit ist für Gewaltopfer unzumutbar.

Menschenwürde. Wir und unsere Gesellschaft sind dringend aufgerufen, Verbesserungen zu schaffen, damit Betroffenen wieder zu ihrer Menschenwürde verholfen wird.

Gewaltfolgen:

Gewaltkarriere. Gewaltopfern, insbesondere Kindern, wird seitens der Täter signalisiert: „Mit dir kann man es ja machen!“ Dies erfolgt speziell bei Kindern in völlig unbewussten Schichten, doch umso folgenschwerer. Die Folge: mangelndes Selbstvertrauen bis in die Körpersprache, welche zur Folge haben kann, dass es zu erneuten Übergriffen kommt. Gewaltopfer durchlaufen daher nicht selten eine Art tragischer „Karriere“.

Gewalt macht krank. In unzähligen Studien werden stark erhöhte Raten an allen weit verbreiteten Krankheiten nachgewiesen wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Autoimmunerkrankungen.

Hohe Kosten. Die menschlichen Folgen sind somit noch weit verheerender als die finanziellen, die von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Ganz abgesehen von der primären Verpflichtung, Gewalt vorzubeugen oder, wenn sie doch eingetreten ist, rasch und umfassend Hilfe bereitzustellen, um zumindest die Folgen für die Opfer zu lindern, wäre die Gesellschaft gut beraten, Gewaltprävention und -bewältigung viel intensiver zu betreiben, um die extrem hohen Folgekosten zu vermeiden.

Dieser Aufgabenbereich wird auch heute noch sträflich vernachlässigt.

Betroffene mit o.g. Diagnosen benötigen zudem oft schwer belastende und sehr teure Behandlungen. Darüber hinaus sind extreme wirtschaftliche Verluste durch lange Arbeitsunfähigkeitszeiten wie häufige Frühberentung nachgewiesen.

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